Hospiz- und Palliativbewegung

Die Begriffe "Hospiz" und "palliative Versorgung"

Das Wort „Hospiz“ stammt von dem lateinischen Wort „hospitium“ ab, welches übersetzt „Herberge“ bedeutet. Der Begriff verweist auf die ersten Herbergen, die im 4. Jahrhundert an den europäischen Pilgerrouten entstanden. Zunächst beherbergten sie alle Pilger, später versorgten sie insbesondere schwerkranke Menschen. Die heutige Hospizbewegung begleitet ebenfalls Menschen auf ihrem letzten Weg. Sie begleitet den Menschen sowie sein soziales Umfeld, ganzheitlich, auf Augenhöhe und unter vor allem unter Beachtung seiner individuellen Bedürfnisse.

Der Begriff „palliative Versorgung“ (engl. „Palliative Care“) enthält das lateinische Wort „Pallium“, welches mit „der Mantel“ übersetzt wird. Das Verb „palliare“ bedeutet „mit dem Mantel bedecken“ oder „lindern“ und ist bildlich zu verstehen: Palliation beschreibt das Einhüllen und die Linderung des Schmerzes. Die Weltgesundheitsorganisation definiert „palliative Versorgung“ als „Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen, und zwar durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, untadelige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art.“ (Definitionen der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin 2003)

Im Fokus palliativer Versorgung steht demnach die umfassende Versorgung, Behandlung und Pflege schwerstkranker Menschen mit begrenzter Lebenserwartung durch ein multiprofessionelles Team. Palliativmedizin ist ein Teil palliativer Versorgung in dessen Mittelpunkt die Behandlung von Schmerzen und die Linderung weiterer Symptome stehen. Dabei werden nicht nur medizinische Aspekte berücksichtig, sondern auch spirituelle und psychosoziale Leiden. Nach heutigem Wissensstand geht man davon aus, dass solche Einbindung von hospizlich-palliativem Denken, Wissen und Handeln nicht erst in einer späten Erkrankungsphase oder gar im Sterbeprozess beginnen sollte, sondern so bald als möglich nach Diagnosestellung. Hierdurch kann nicht nur die Lebensqualität deutlich verbessert werden, sondern sogar die Lebenszeit an sich!

 

Die Hospiz- und Palliativbewegung in Deutschland

Patienten wünschen sich an einem vertrauten Ort, inmitten vertrauter Menschen und ohne körperlichen Beschwerden zu sterben. Sie wollen in Frieden mit Gott und bei klarem Bewusstsein ihr Leben beschließen. Die moderne Hospiz- und Palliativbewegung möchte diese grundlegenden Wünsche Sterbender erfüllen und arbeitet hierzu in einem Netzwerk bestehend aus verschiedenen Berufsgruppen und Freiwilligendiensten. Dazu zählen u.a. ambulante Hospizinitiativen, Palliativdienste, stationäre Versorgungseinrichtungen, wie stationäre Hospize, Palliativstationen und teilstationäre Einrichtungen oder auch Hospiz- und Palliativarbeit in allen vorhandenen Einrichtungen des Gesundheitswesens. Hinzu kommen ehrenamtlich engagierte Bürger, die sterbende Menschen und ihr soziales Umfeld psychosozial begleiten.

Seit einigen Jahren baut die moderne Hospiz- und Palliativbewegung ihr Netzwerk immer weiter aus. Doch bis zur Verwirklichung einer palliativen Begleitung für jeden schwerstkranken, sterbenden Menschen in Deutschland – unabhängig von seiner Lebenssituation – ist es noch ein weiter Weg. Ein Grund dafür ist, dass der Thematik Tod und Sterben wenig Platz im Alltag der meisten Menschen eingeräumt wird. Tod und Sterben wird häufig erst dann zum Thema, wenn der Mensch persönlich damit konfrontiert wird, wenn beispielsweise ein Familienmitglied, ein Freund oder Bekannter schwer erkrankt oder sogar verstirbt.

Aus diesem Grund ist es ein zentrales Anliegen der Hospiz- und Palliativbewegung diese Themen als natürlichen Bestandteil des Lebens öffentlich zu machen und somit der hospizlich, palliativen Idee einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft zu verschaffen. Dieses Ziel verfolgen wir mittels zahlreicher Projekte im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit.