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Das Leben im letzten Abschnitt schöner machen

Thomas Sitte, Vorstandsvorsitzender der Deutschen PalliativStiftung. Foto: DPS

Fulda, 22.03.2011 – Thomas Sitte, Vorstandsvorsitzender der Deutschen PalliativStiftung, spricht im Interview über die Verleihung des Deutschen Schmerzpreises, die Stiftung sowie über seine Wünsche für die Zukunft.

FRAGE: Sie wurden von Europas größter Schmerzgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V., für den Deutschen Schmerzpreis nominiert und bekommen ihn am 25. März verliehen. Was bedeutet Ihnen die Verleihung dieses Preises?
SITTE: Viel mehr als ich gedacht hätte. Es war für mich eine große Überraschung überhaupt nominiert zu werden. Ich verstehe mich als Mensch von der Basis. Für mein bundesweites Engagement bin ich in der Vergangenheit nicht nur gelobt worden. Dass ich jetzt den Schmerzpreis bekomme, zeigt mir, dass ich doch auf dem richtigen Weg war und es weiter bin! Ich denke, mein Bekanntheitsgrad wird durch die Preisverleihung steigen und dabei helfen, das hospizlich-palliative Denken weiter zu verbreiten.

FRAGE: In der Begründung Ihres Nominierungsantrags steht, dass Sie es geschafft haben, „die Politik bundesweit hinsichtlich der Realisierung palliativmedizinischer Versorgung in die Pflicht zu nehmen.“ Was heißt das konkret? Was haben Sie erreicht?
SITTE: Ich habe aus vielen Bundesländern gehört, dass man dort nicht so gut weiter gekommen wäre ohne unser hessisches Engagement für eine gute Vertragsgestaltung der ambulanten Palliativversorgung. Weil wir unsere Ergebnisse ehrlich weitergegeben und diskutiert haben, ging es in anderen Bundesländern leichter. Und bis vor wenigen Wochen habe ich noch überall gehört, die Betäubungsmittelgesetze könne man nicht ändern. Das geltende Recht kriminalisiert aber unsere Arbeit! Diese haarsträubende Rechtslage wird jetzt hoffentlich bald geändert. Ohne die Arbeit unserer Stiftung wäre das nicht gelungen.

FRAGE: Haben Sie auch auf regionaler Ebene Erfolge erzielt?
SITTE: Nur wenige Regionen in Deutschland sind ambulant so gut palliativ versorgt wie Osthessen. Hier leistet das PalliativNetz Osthessen in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsnetz Osthessen gute Arbeit. Deswegen konnte ich mich jetzt auch leichter hier aus der praktischen Arbeit zurückziehen, die Versorgung ist langfristig gesichert.

FRAGE: Seit Mai 2010 gibt es die Deutsche PalliativStiftung in Fulda. Welche Aufgaben und Ziele hat die Stiftung? Können Sie diese kurz zusammenfassen?
SITTE: Einerseits haben wir zum Beispiel die Möglichkeit, kleine, regionale Aktivitäten zu fördern, andererseits leisten wir auch weit überregionale Vernetzungsarbeit. Wir verstehen uns dabei als Unterstützer der Praktiker, denn wenn die Helfer an der Basis nicht mehr weiter können, was dann? Hier helfen wir ganz konkret. Wir hoffen auch, dass wir dazu beitragen können, eine neue Spendenfreudigkeit für die Hospizarbeit und Palliativversorgung anzustoßen. Das Thema muss viel mehr in die Öffentlichkeit. Der Bedarf ist riesengroß.

FRAGE: Hilft die Stiftung auch Betroffenen oder Angehörigen direkt?
SITTE: Ja, die meisten unserer Mitstifter stehen direkt in der praktischen Versorgung. Die Stiftung wird im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten Patienten, die es brauchen, in besonderen Fällen direkt unterstützen. Wir träumen davon, ein wenig die „Wunscherfüller“ für Schwerstkranke zu werden. Wenn wir schon nicht heilen können, wollen wir dazu beitragen, das Leben in seinem letzten Abschnitt  schöner und die Leiden erträglicher zu machen.

FRAGE: Der Schmerzpreis ist eine Auszeichnung für Ihr bisheriges Engagement in der Palliativversorgung und spornt sicherlich zu neuen Taten, Ideen oder zur Behebung von Missständen in der palliativen Patientenversorgung an. Haben Sie schon etwas Neues im Visier?
SITTE: Ich möchte gerne die Stiftung solide wachsen sehen, mit dem Geld aus dem Schmerzpreis kann ich das länger ehrenamtlich unterstützen. Und ganz konkret: Ein aktuelles Projekt der Stiftung ist es, es kranken Kindern und auch Erwachsenen zu ermöglichen, in Fulda das neue Musical „Die Päpstin“ zu besuchen und sie dabei hinter die Kulissen blicken zu lassen, was regulär ja nicht machbar ist. Ich glaube, wenn man mit erlebt, wie die Schauspieler sich von den normalen Menschen in die Bühnenfigur und dann wieder zurück zu Mitmenschen verwandeln, kann das schon besondere Gespräche anstoßen. Und solche Denkanstöße möchte ich weitergeben.

FRAGE: Sie haben wohl Hunderte von Menschen in den Tod begleitet. Was bedeutet der Tod für Sie persönlich?
SITTE: Ich glaube, dass es nach dem Tod für mich weitergeht. Ich weiß, dass es für die Hinterbliebenen weitergeht. Und für das Weiterleben ist es ganz wichtig, mit Sterben und Tod bewusst umzugehen. Dann können dem Sterbenden viele unbegründete Ängste genommen werden, und der Tod verliert an Grausamkeit. Es kann im wahrsten Sinne des Wortes ein festlicher Augenblick werden, wohl mit einer gewissen Ehrfurcht, aber ohne Angst, schlechtem Gewissen, Verzweiflung. Für uns alle  gehört der Tod zum Leben, daher ist mir das Motto unserer Stiftung sehr wichtig: „... Leben bis zuletzt!“

FRAGE: Haben Sie einen Wunsch oder auch viele Wünsche?
SITTE: Ich wünsche mir zum Beispiel, dass wir für die Patienten und ihre Familien an einem Strang ziehen und dass Patienten die Versorgung bekommen, die sie brauchen. Außerdem hoffe ich, dass die von der Stiftung herausgegebenen Broschüren eine noch größere Verbreitung finden. Denn immer wieder hören wir: „Hätten wir das viel früher gelesen, wäre uns viel erspart geblieben!"
Und dann wünsche ich mir, dass die Praktiker der Versorgung mehr öffentliche Aufmerksamkeit bekommen, damit für die vielen Initiativen – und natürlich auch für unsere Stiftung – mehr gespendet wird. Denn wüsste die Mehrheit der Bürger, was Hospizarbeit und Palliativversorgung für sie und ihre Angehörigen tun können, wäre die Bereitschaft dazu sicher viel größer.

 

Pressekontakt

Caroline Schreiner, Deutsche Palliativstiftung, Am Bahnhof 2, 36037 Fulda, (0661) 480 497 97, caroline.schreiner@palliativstiftung.de

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