Das Ziel von PiPiP ist die optimierung der palliativen Versorgung in Pflegeheimen, Vermeidung unerwünschter, bzw. unnötiger Krankenhausaufenthalte

Im Jahr 2013 bis 2015 wurde von der Deutschen PalliativStiftung eine größere Projektstudie in der Praxis durchgeführt, bei der es sich zeigte, dass ein enormes Potential zur verbesserten Versorgung in Pflegeeinrichtungen besteht, wenn ein Teil der Mitarbeiter in den Grundlagen der Palliativversorgung geschult wird und parallel die bestehenden Strukturen der palliativen Versorgung besser in die Heimversorgung eingebunden werden.

Es konnten im Evaluationszeitraum die Klinikseinweisungen um über 60 % gegenüber der Einweisungszahl der Vergleichsquartale der beiden Vorjahre gesenkt werden bei sehr hoher Zufriedenheit der Mitarbeiter, Bewohner und Angehörigen.

Optimiert werden kann das Ergebnis durch vier wesentliche Punkte:

  1. Engagierte, kompetente und anerkannte Kümmerer (Palliative Care Fachkraft)
  2. umfassend geschulte Mitarbeiter (Schwerpunkt Relevanz und Verständlichkeit. Angemessene Antworten auf alle Fragen)
  3. Zeitnahe und fachkompetente Lösung auftretender Probleme
  4. konkrete medizinische und juristische (!) Sicherheit der Mitarbeiter

Eines der häufigsten schwerwiegenden Probleme in Seniorenheimen sind medizinisch fraglich indizierte und/oder vom Bewohner bei gegebener medizinischer Indikation unerwünschte Krankenauseinweisungen.

Die Optimierung einer (palliativ)medizinischen Versorgung soll und kann hier Abhilfe leisten. Die Grundlage dieser Versorgung ist der Zuwachs relevanten Wissens, der regelhaft zugleich zu einer Haltungsänderung beim einzelnen Mitarbeiter, wie auch der gesamten Einrichtung führt. Zugleich wird bei einer verbesserten Versorgung im Sinne des Bewohner der Durchführung von nutzlosen Maßnahmen (i.S. „Futility“) entgegengewirkt: damit wird Belastung und Einschränkung für den Bewohner gemindert und vorhandene Ressourcen werden bewohnergerechter eingesetzt.

Gerade das sichere Management in Vorhaltung und Umgang speziell in Palliativsituationen notwendiger, sonst teils weniger üblicher Medikamente, bzw. Zubereitungen zur Symptomkontrolle führt in Pflegeinrichtungen zu einem großen Zugewinn an Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten wie das System und zu größerer Handlungskompetenz. Hierbei ist es wichtig, das Wissen über die natürlichen Vorgänge der letzten Lebensphase besser zu verankern und in den praktischen Auswirkungen zu verdeutlichen. Unsicherheiten in juristischen wie auch ethischen Fragen prägen in der täglichen Praxis nach wie vor die Arbeit.

Zu den Ursachen von unvermeidbaren Einweisungen gehören die Folgen schwerer Stürze bei palliativen, wie nicht palliativen Bewohner, Nierenversagen, Infektionen wie Pneumonien und zerebrale Ischämien, wenn eine weitere Lebenserhaltung oder -verlängerung noch gewünscht wird, nicht jedoch bei fehlendem Behandlungswillen der Bewohner.

Die bessere Schulung des Personals insbesondere in der geriatrischen und palliativen Schmerztherapie soll dabei die Einschätzung von Krisensituationen bei allen Bewohner deutlich verbessern. Hierdurch können die notwendigen weiteren Schritte wesentlich beeinflusst werden. Informationsveranstaltungen zu Betreuungsvollmacht, Bewohnerverfügung und individuellen Empfehlungen für das Vorgehen in Notfallsituationen sind ebenfalls Teil der Aufklärungsarbeit zum hospizlich-palliativen Wissen.

In den Einrichtungen werden vermittelt und zur Verfügung gestellt:

  • Grundlagenwissen zu hospizlich-palliativem Denken und Handeln, im Sinne von „Advance Care Planning“ RisikoBewohner zu identifizieren.
  • Coaching im Umgang mit palliativen Fragestellungen
  • angemessenes, allgemeinverständliches Informationsmaterial
  • Sprechstunden für Angehörige, Bewohner, Interessierte
Deutsche PalliativStiftung - Dr. med. Thomas Sitte

Dr. med. Thomas Sitte

Palliativmediziner

Deutsche PalliativStiftung - Kristina Schmidt

Kristina Schmidt

Sozialarbeiterin, Hospizkoordinatorin, Palliativ Care Fachkraft


Deutsche PalliativStiftung - Holle Redpath

Holle Redpath

Krankenschwester, Supervisorin, Palliative Care Fachkraft, Trauerbegleiterin

Deutsche PalliativStiftung - Dr. med. Thomas Plappert

Dr. med. Thomas Plappert

Facharzt für Innere Medizin, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst