Weißbuch für die weltweite Förderung der Palliativversorgung in Berlin vorgestellt

Die Päpstliche Akademie für das Leben hat am Donnerstag in Berlin das „PAL-LIFE – Weißbuch für die weltweite Förderung der Palliativversorgung“ vorgestellt. Der Vatikan gibt in dem Buch wichtige Empfehlungen, wie sich jede gesellschaftliche Gruppe im Bereich der Palliativversorgung einbringen kann. PAL-LIFE wurde von internationalen Experten der Palliativversorgung erarbeitet. Unter den Experten: Der Fuldaer Dr. Thomas Sitte, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Palliativstiftung.

Während einer Pressekonferenz in der Apostolischen Nuntiatur in Berlin verwies Sitte auf den großen Wert des Weißbuches: „Es soll und kann eine praxisnahe Grundlage für alle Institutionen bilden, die in irgendeiner Form an der Gesundheitsversorgung beteiligt sind.“ Das Weißbuch biete Hilfen an, um dringend notwendige Empfehlungen auszuarbeiten.

Regierungen und Gesundheitsversorger könnten PAL-LIFE als Checkliste für grundlegende Strategien einsetzen, um die Sorgen für leidende Patienten und deren Angehörige zu verringern.  Sitte: „PAL-LIFE ist ein Baustein, um notwendiges und gut fundiertes Wissen zu verbreiten. So können wir ruhig und sachlich erklären, dass wir geschäftsmäßige Beihilfe zur Selbsttötung in Deutschland nicht benötigen, um Leiden zu lindern.“

Auf fünf wichtige Punkte der Palliativmedizin wies Sitte während der Vorstellung hin:

  • Kein Patient muss in einem exzellent ausgebauten Gesundheitssystem mehr körperlich unerträgliches Leiden ertragen als er möchte und kann. 
  • Die um sich greifende Über- und Fehlversorgung macht Patienten und Angehörigen Angst.
  • Hierzulande können Ärzte medizinisch korrekt und rechtssicher Sterbende begleiten, Leiden lindern und Medikamente in ausreichender Dosis verordnen.
  • Die Deutsche PalliativStiftung lehnt Beihilfe zur Selbsttötung ebenso ab wie die katholische Kirche. Lebensverkürzung soll medizinisch unnötig sein und in Deutschland nur im seltenen Einzelfall erlaubt sein.
  • Leidenslinderung ist auch ohne Lebensverkürzung möglich. Palliativexperten müssen nicht das Sterben von Patienten beschleunigen. 

Mit Hilfe der Palliativversorgung könnten laut Sitte verschiedene Berufsgruppen gemeinsam erreichen, dass schwere körperliche, emotionale oder existenzielle Beschwerden gelindert werden könnten. Sie biete dabei umfassende Hilfe auch bei sozialen und spirituellen Bedürfnissen der Patienten und ihrer Familien.

Sitte abschließend: „Das Weißbuch kann dazu beitragen, dass unangemessene Regularien und Schranken in den Köpfen beseitigt werden.“

Erzbischof Vincenzo Paglia, Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, erklärte während der Pressekonferenz, dass auch bei Menschen Schmerz und Leid gelindert werden könnten, bei denen keine Heilung möglich sei. Wer unheilbar krank sei, sei deshalb noch nicht untherapierbar. Paglia zitierte auch Papst Franziskus: „Palliative Behandlungsmethoden sind Ausdruck der Wertschätzung des Menschen.“

„Es ist unbedingt notwendig, die Palliativversorgung weltweit – auch hier in Deutschland weiter auszubauen“, sagte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Die professionelle Zusammenarbeit der Seelsorge mit den Gesundheitsberufen sei dabei ebenso von hoher Bedeutung wie auch das Wiederentdecken der Sakramente der Kirche am Lebensende.